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June 01 2011

Lubmin – Verfahren gegen Castorgegner eingestellt

Am Dienstag, den 31. Mai, sollte sich Karsten, ein Lüneburger Antiatomaktivist, vor dem Greifswalder Amtsgericht verantworten. Karsten hatte sich an einer Kletter-Protestaktion gegen den Castortransport nach Lubmin im  Dezember 2010 zusammen mit 7 weiteren AktivistInnen von Robin Wood beteiligt. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautete Widerstand gegen Vollstreckungsbeamter und Beleidigung. Gegen einen Strafbefehl von 30 Tagessätzen hatte Karsten Einspruch eingelegt. Nach 3 Stunden Verhandlung endete das Verfahren mit einer Einstellung auf Staatskosten (§ 153 StPO). Einen detailierten Bericht gibt es hier…

Karsten vor Gericht, begleitet von einer Solidaritätsaktion

Karsten vor dem Gericht, begleitet von einer Solidaritätsaktion

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May 26 2011

Ein Bahnhof ist kein Wald: Abrissfirma zieht Klage wegen Hausfriedensbruchs durch

Am 24.5.2011 verurteilte das Amtsgericht Stuttgart zwei Kletteraktivist_innen wegen Hausfriedensbruchs. Sie hatten am 30. August vergangenen Jahres einen Abrissbagger besetzt, mit dem später der Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes eingerissen wurde. Wie inzwischen durch ein internes Bahndokument belegt ist, hatte die Deutsche Bahn AG den Abriss des Nordflügels im Bauablauf vorgezogen und damit zusätzliche Kosten von mehr als einer halben Million Euro und ungeklärte Baurisiken geschaffen.

Mit dem Urteil von Dienstag wurden nunmehr in drei Verfahren neun Aktivist_innen im Zusammenhang mit der Besetzung des Abrissbaggers wegen Hausfriedensbruchs zu insgesamt 180 Tagessätzen verurteilt. Die Strafanträge stellte die abreißende Baufirma Wolf und Müller. Ob deren Geschäftsführer das dafür notwendige Hausrecht der Deutschen Bahn AG ausüben konnte, ist juristisch umstritten.

Erst vor zwei Wochen hatte in einem anderen Verfahren die Betreiberin des Frankfurter Flughafens, Fraport AG, ihren Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs zurückgezogen. Hier ging es um einen Wald, den die Fraport für den Flughafenausbau zerstören ließ und selbst Strafantrag gegen Waldschützer_innen stellte. Umwelt- und Lärmschutzverbände sowie Bürgerinitiativen hatten die Strafanträge der Fraport massiv kritisiert. Daraufhin erklärte Fraport in einem Brief an kommunale Gremien, kein weiteres Interesse an einer Strafverfolgung zu hegen. Daran erinnert begann der Fraport-Vertreter während der mündlichen Verhandlung vor Gericht hektisch zu telefonieren und zog schließlich den Strafantrag zurück.

Flughafenausbau und Bahnhofsabriss sind politische Konflikte. Es geht dabei immer auch um die Frage, wer über das Gemeinwesen bestimmt: Wem gehört der Wald, wem gehört die Stadt? Fraport und die von der Deutschen Bahn AG beauftragte Baufirma setzen die Demolage öffentlicher Güter als „Hausfrieden“ durch. Im Kräftemessen um Stuttgart 21 wird der Deutschen Bahn AG dieser falsche Frieden nicht nutzen.

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May 06 2011

Ungewöhnlicher Prozessauftakt: Bagger-Prozess gegen S21 GegnerInnen

Am 3. Mai, dem ersten Prozesstag gegen zwei Robin Wood AktivistInnen, die letzten Sommer gegen Stuttgart 21 auf einem Bagger kletternd protestierten, ging es hart zur Sache.

Baggerprozess gegen S21 - Auftaktprotest

Baggerprozess gegen S21 - Auftaktprotest

Eigentlich hätte es für das Stuttgarter Amtsgericht ein leichtes Spiel werden sollen: Zwei Angeklagten ohne juristische Ausbildung und ohne Anwalt und der in Prozessen gegen S21-GegnerInnen inzwischen übliche Vorwurf “Hausfriedensbruch”. Doch, dass Urteile wie am Fließband gesprochen werden und Angeklagten elementare strafprozessuale Rechte nicht zugestanden werden, wollten die beiden AktivistInnen nicht einfach hinnehmen.

“Die Verhandlungsführung werde ich mir nicht aus der Hand nehmen lassen”, wiederholte die von die Schlagfertigkeit und juristisch sachliche präzise Argumentation der Angeklagten überraschte Richterin mehrfach. ” Die Richterin konnte sich nicht vor der Flut der Anträge Retten, die sie schlagfertig stellten”, kommentierte eine Zuschauerin.

Gegen 18:30 wurde die Verhandlung geschlossen. Am 10. Mai geht es um 15:30 mit der Vernehmung zweier weiteren Polizeizeugen und Beweisanträge der Verteidigung weiter.

Weitere Informationen und ausführliche Berichte gibt es unter http://blog.eichhoernchen.fr/, in den Stuttgarter Nachrichten und hier gibt es einen Flyer zu den nächsten Prozesstagen, die wir gespannt erwarten.

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May 02 2011

S21- Prozess wegen der Baggerbesetzung

Die Landtagswahlen sind kaum vorüber, die Repression gegen AktivistInnen aus dem Stuttgart 21 Widerstand geht unvermittelt weiter. Zwei Robin Wood AktivistInnen, die am 30.08.10 für mehrere Stunden den Abriss-Bagger vor dem Nordflügel besetzten, werden vor dem Amtsgericht angeklagt.

Besetzung des Abrissbaggers durch Aktivist_innen von ROBIN WOOD und den Parkschützern (Foto: Bei Abriss Aufstand)

Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen Hausfriedensbruch vor und hat ihnen Strafbefehle über 50 Tagessätze à 20 Euro ausgestellt. Sie haben Einspruch dagegen eingelegt, so dass es am nächsten Dienstag zum Prozess kommt.

Es ist der dritter Prozess in der Sache. Gegen weiteren Aktivisten der Gruppe wurde bereits im Dezember und Februar verhandelt, noch ist kein Verfahren rechtskräftig abgeschlossen.

Der Prozess findet am Dienstag, den 03.05.2011, 13.30 Uhr im Amtsgericht Stuttgart, Hauffstraße 5, statt. UnterstützerInnen sind in Stuttgart Willkommen. Ihre Solidarität können sie auch durch ein Solifax an das Gericht zeigen! Die Faxnummer des Gerichts lautet  0711/921-3199 oder per Mail an poststelle@agstuttgart.justiz.bwl.de

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March 18 2011

Flughafen Frankfurt: Prozesse gegen Ausbaugegner_innen

Angesichts der Katastrophe in Japan erscheint jedes andere Thema geradezu lächerlich. Doch unsere Aktiven können sich den Zeitpunkt ihrer Gerichtsverfahren nicht aussuchen. Und so stehen in den kommenden Wochen erneut Flughafengegner vor Gericht.

Mit mutigen Aktionen hatten sie sich dem Ausbau des Frankfurter Flughafens entgegengestellt. Die AktivistInnen wollten es nicht hinnehmen, dass 300 ha Bannwald verschwinden und die Fläche mit Beton versiegelt wird. Sie kritisieren, dass der Flughafenausbau gegen den Großteil der Anwohner durchgesetzt wurde, diese aber die Folgen zu tragen haben infolge einer vielfach erhöhten Lärmbelastung und dem Verlust eines wichtigen Naherholungsgebietes. Als katastrophal sehen sie die Pläne der Flughafenbetreiberin, zu Zeiten des Klimawandels auf 700.000 Flugbewegungen/Jahr aufzustocken. Auch die Bedeutung als Abschiebeflughafen wollten die AktivistInnen thematisieren.

Baumbesetzung gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens

Baumbesetzung gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens

Am 08. Mai 2009 fand eine Abseilaktion an einer Brücke statt, um gegen den ersten Spatenstichs zum Bau der neuen Landebahn zu protestieren. Gegen einen der Kletterer wird am 21. März in zweiter Instanz verhandelt. Der Prozess findet um 09:00 Uhr, LG Mainz (Diether-von-Isenburg-Straße), Gebäude A, Saal 201 statt.

Wegen Baumbesetzungen im Rahmen des Widerstands gegen den Bau der Landebahn und die damit verbundene Waldrodung im Frühjahr 2009 sowie eine Ankettaktion bei der Räumung des Hüttendorfes steht am 29. März eine Aktivistin vor Gericht.
Vorgeworfen wird ihr Hausfriedensbruch in drei Fällen. Im Februar 2010 fand bereits ein erster Verhandlungstag statt, der jedoch schon nach einer Stunde vertagt wurde. Der Prozess wird fortgesetzt am 29. März 2011, um 09:00 Uhr, Amtsgericht Rüsselsheim (Johann-Sebastian-Bach-Str. 45), Saal 01.

Unterstützung ist erbeten, eine breite Öffentlichkeit hilft den AktivistInnen enorm in ihrer Verteidigung.

von Aglaia Abel

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February 22 2011

Demonstrationsrechte in Flughäfen und Bahnhöfen gestärkt

Das Bundesverfassungsgericht hat Demonstrationen mit einem Urteil vom 22. Januar im Frankfurter Flughafen erlaubt. Diese Versammlungsfreiheit gilt auch für Bahnhöfe, Häfen oder kommunale Einkaufszentren, wenn sich diese öffentlich genutzten Räume mehrheitlich in staatlichem Besitz befinden, heißt es in dem Urteil.

Anlass des Urteils ist die Klage eines Mitglieds der „Initiative gegen Abschiebungen“, die sich gegen die Abschiebung von Ausländern unter Mitwirkung privater Fluggesellschaften wendet. Nachdem sie mit fünf weiteren Mitgliedern in der Abflughalle des Frankfurter Flughafens im März 2003 an einem Abfertigungsschalter Flugblätter verteilt hatte, erteilte ihr die Fraport AG ein „Flughafenverbot“ mit dem Hinweis, dass gegen sie ein Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs erstattet werde, sobald sie erneut „unberechtigt“ auf dem Flughafen angetroffen werde.

Das Gericht erklärte nun, dass Proteste in Gebäuden, die überwiegend der öffentlichen Hand gehören zulässig sind, Demonstrationsrechte seien hier nicht einzuschränken. Deshalb gilt das Urteil unter anderem auch für Bahnhöfe und öffentliche Gebäude. Wie die Rechte in z.B. in privaten Ladenpassagen aussähen, ließ der erste Senat des Gerichts offen.

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February 20 2011

An Eides statt: Erklärungen im S21-Prozess um die Nordflügelbesetzung

Am vergangenen Donnerstag fand in Stuttgart der erste Prozess gegen Stuttgart 21-GegnerInnen wegen  der Besetzung des, mittlerweile abgerissenen, Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes statt. Vier der fünf angeklagten wurden zu Strafen zwischen 50 und 350€ verurteilt, einer wurde freigesprochen.

Die fünf angeklagten Parkschützer des ersten Nordflügel-Prozesses. (Foto: Chris Grodotzki/ROBIN WOOD)

Alle Angeklagten hatten im Gerichtssaal ausführliche Einlassungen zu Stuttgart 21, zu Direkten Aktionen und zivilem Ungehorsam, sowie deren Kriminalisierung abgegeben. Da uns solche Erklärungen leider oft hinter den dicken Wänden der Justiz verborgen bleiben wollen wir hier auf zwei dieser Einlassungen hinweisen:

Der vermeintliche Besetzer Gerhard Wick (ganz rechts im Bild) wurde im Laufe des Prozesses freigesprochen da er, wie sich zum Unmut der Staatsanwaltschaft schnell herausstellte, nie im Nordflügel war. …eine Tatsache, die er selber bedauert:

“Ich bereue es wirklich, dass ich an der Besetzung des Nordflügels nicht – wie es meine staatsbürgerliche Pflicht gewesen wäre – teilgenommen habe, weil mir etwas der Mut fehlte, über die steile Leiter zu klettern. Diesen Mangel kann und will ich aber nun nicht dadurch beheben, dass ich mich für etwas bestrafen lasse, was ich zum einen nicht für strafwürdig halte und was ich zweitens zwar gerne getan hätte, aber nun eben halt nicht getan habe. Die Staatsanwaltschaft wird sicher noch genügend Gelegenheiten finden, mich anzuklagen, wenn sie weiterhin daran festhält, nicht die Verantwortlichen für die Zerstörungen an Kultur und Natur vor Gericht zu bringen, sondern diejenigen, die sich für eine lebenswerte Stadt für alle und die Einhaltung demokratischer Grundprinzipien einsetzen.”

Der Angeklagte Mark Pollmann (mitte/links-hinten im Bild) verlas zum Beginn des Prozesses, im Rahmen seiner Einlassung, eine Eidesstattliche Versicherung, in der er Informationen zum skandalösen Polizeieinsatz am 30. September 2010, die er “aus höheren Polizeikreisen” erhalten habe, Preis gibt. Ausschnitte, sowie den vollen Text der Eidesstattlichen Versicherung zum Download finden sich bei den Parkschützern.

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February 17 2011

S21 – Erster Prozess zur Nordflügel-Besetzung

Seit heute Morgen stehen in Stuttgart die ersten Aktivisten wegen der Besetzung des Nordflügels des Stuttgarter Hauptbahnhofes am 26.07.10 vor Gericht – der Erste in einer voraussichtlich langen Serie von Prozessen.

Die fünf angeklagten Parkschützer des ersten Nordflügel-Prozesses. (Foto: Chris Grodotzki/ROBIN WOOD)

Es war die erste großangelegte Aktion zivilen Ungehorsams im Stuttgart 21-Widerstand. Über 50 Aktive, überwiegend aus den Reihen der Parkschützer, besetzten am 26. Juli letzten Jahres den, damals vom Abriss bedrohten Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofes. Nach den stetig wachsenden Demonstrationen gegen das Großprojekt war dies der Startschuss für eine Reihe von Aktionen zivilen Ungehorsams aus der Bevölkerung, wie sie in Stuttgart lange niemand für möglich gehalten hätte.

Kleine Soli-Aktionen vor, in und auf dem Gerichtsgebäude begleiteten den Prozessauftakt gegen die NordflügelbesetzerInnen. (Foto: C.Grodotzki/ROBIN WOOD)

Mittlerweile steht der Nordflügel nicht mehr, dafür stehen heute die ersten fünf BesetzerInnen vor Gericht. Mindestens neun weitere solcher Sammel-Prozesse wegen Hausfriedensbruchs werden wohl allein aus dieser Aktion noch folgen. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart wohl in weit über 1000 Verfahren gegen Stuttgart 21-GegnerInnen.

Zum wiederholten Mal zeigt sich jedoch heute die beeindruckende Geduld der Stuttgarter Bewegung: Wie schon bei den Prozessen zuvor, zum Beispiel gegen die RobinWood-Aktiven der Baggerbesetzung, war der größte Saal des Amtsgerichts in kürzester Zeit gefüllt. Dutzende mussten draußen bleiben, ließen sich jedoch davon die Laune nicht verderben und versammelten sich um einen Infostand vor dem Gerichtsgebäude um bei Kaffee und Keksen dem Ausgang des Prozesses zu harren.

Weitere Infos und Termine zu den Prozessen gibt’s bei den aktiven Parkschützern und über den Ausgang des Prozesses halten wir euch natürlich auf dem Laufenden.

Update (15:30 Uhr): Das Urteil ist verkündet – Ein vermeintlicher Besetzer wurde freigesprochen, da er sich nachweislich überhaupt nicht im Nordflügel aufgehalten hatte, die anderen vier Aktiven wurden zu Geldstrafen zwischen 50 € und 350 € verurteilt.

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February 04 2011

Im Süden nichts neues – Verurteilung im S21-Prozess

Auch das Ergebnis des zweiten Prozesses um die Baggerbesetzung gegen Stuttgart 21 durch Robin Wood- und Parkschützer-Aktive stand scheinbar schon fest und endete mit einer Verurteilung.

Polizei zeigt Präsenz - Mit acht Mannschaftswagen rückte die Bereitschaftspolizei an um den Prozess gegen sechs AktivistInnen am 03.02.11 abzuschirmen. (Foto: Chris Grodotzki/ROBIN WOOD)

Schon kurz nach Beginn des Prozesses gegen das sechsköpfige Boden-Team der Baggerbesetzung am gestrigen Donnerstag war den meisten ZuhörerInnen klar wie das Gericht entscheiden würde. Wie schon beim letzten Prozess, am 07. Dezember 2010 ließ es sich Oberstaatsanwalt Häussler nicht nehmen, persönlich im Gerichtssaal zu erscheinen und den nicht allzu schweren Vorwurf des Hausfriedensbruchs mit seiner Anwesenheit etwas aufzuwerten.

Zur Wahrung von Recht und Ordnung sowohl vor, als auch im Gerichtssaal wurden dieses mal allerdings schwerere Geschütze aufgefahren: Acht Kastenwägen der Bereitschaftspolizei, bestückt mit einer kompletten schwarzgekleideten BFE-Einheit, sowie ein kleines Heer an Justizbeamten sicherten das Justizgebäude gegen die knapp fünfzehn anwesenden RobinWood- und Parkschützer-AktivistInnen und ihre fünfzig UnterstützerInnen.

Nachdem alle Angeklagten ihre Erklärungen zu Stuttgart 21 und den legitimen zivilen Ungehorsam dagegen verlesen hatten, pochte die Richterin, wie schon beim letzten Prozess, erneut auf den Stolz der Angeklagten, und forderte ein umfassendes Schuldgeständnis. Ein daraufhin gestellter Befangenheitsantrag gegen das Gericht wurde, wie zu erwarten, schnell verworfen. Die Angeklagten hatten der Richterin vorgeworfen sie zu einer selbstbelastenden Aussage gedrängt zu haben. Ihre Anträge auf einen „schusswaffenfreien Gerichtssaal“ (neben den unbewaffneten Justizbeamten befanden sich auch mehrere bewaffnete PolizistInnen im Saal) wurden ohne Begründung verworfen.

Wie schon im ersten Verfahren gab es auch dieses mal von Seiten der Verteidigung erhebliche Zweifel an der Berechtigung der Firma ‘Wolff & Müller’, die den Strafantrag gestellt hatte. Zudem wurde entlastend angeführt, dass allein die Behandlung der Angeklagten am Tag der Aktion durch die Polizei schon „Strafe genug sein könnte“. Diese hatte die Angeklagten am Aktionstag, trotz richterlichen Beschlusses zu ihrer Freilassung noch mehrere Stunden auf der Wache festgehalten. Auch diese Zweifel und Anmerkungen sowie eine große Zahl von Beweisanträgen der Verteidigung  wurden vom Tisch gewischt.

Im Abschlussplädoyer bekannte dann selbst der Rechtsanwalt, das Gefühl gehabt zu haben, dass die Richterin das Verfahren von Anfang an „schon abgehakt“ hätte und entnervt nur noch „den Tag rumkriegen“ wollte. Entsprechend fiel dann auch das Urteil aus: Verurteilung zu 15 (nach unten korrigierten) Tagessätzen trotz weiterhin erheblicher Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Strafantrags.

So bleibt den Angeklagten dieses Prozesses, wie auch den schon vorher Verurteilten kletternden BaggerbesetzerInnen, nur die Hoffnung auf die Korrektur durch die höheren Instanzen.

Wer unseren Aktiven helfen und Freisprüche fördern möchte, der sei an dieser Stelle nochmal auf unser Rechtshilfekonto für Umwelt-Aktive hingewiesen.

February 02 2011

Wir lassen uns nicht kriminalisieren!

Prozess gegen Aktivist_innen von Robin Wood und den Parkschützern am 3. Februar 2011 um 9:00 Uhr im Amtsgericht Stuttgart. (Hauffstr. 5, Saal 1.)

Aktivisten von RobinWood und den Parkschützern protestieren am 7.12.10 vor dem Stuttgarter Amtsgericht gegen die Kriminalisierung der S21-Proteste. (Foto: Grodotzki/ROBIN WOOD)

Während der Widerstand wenige Wochen vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg wieder an Fahrt aufnimmt, geht der Versuch, Aktive gegen Stuttgart 21 in eine kriminelle Ecke zu schieben weiter. Morgen um 9:00 Uhr beginnt der Prozess gegen Aktive, die sich am 30. August vergangenen Jahres in der Nähe eines besetzten Abrissbaggers am Nordflügel des Stuttgarter Hauptbahnhofs befunden haben. Die Polizei nahm ihre Personalien auf, fotografierte sie und nahm sie in Gewahrsam. Obwohl gerichtlich festgestellt wurde, dass die Umweltschützer_innen umgehend aus dem Gewahrsam zu entlassen sind, blieben alle bis zum Ende der Baggerräumung weggesperrt. Obendrein wirft ihnen nun die Staatsanwaltschaft Hausfriedensbruch vor und hat ihnen Strafbefehle über 30 Tagessätze à 20 Euro geschickt. Alle haben Einspruch dagegen eingelegt, so dass es nun zum Prozess kommt.

Die Aktivist_innen freuen sich auf zahlreiche Unterstützung beim Prozess. Das Stuttgarter Amtsgericht beharrt weiterhin darauf, Prozesse gegen S21-Gegner_innen in der Hauffstr. 5 zu führen, was in der Vergangenheit zwangsläufig zu einem Ausschluss teils Hunderter interessierter Bürger_innen geführt hat. Dies sehen wir kritisch und lassen uns nicht davon beeindrucken. Also egal, ob drinnen oder draußen, zeigt bitte mit uns kreativ und lautstark, dass der Widerstand gegen dieses Wahnsinnsprojekt von Bahn, Politik und Immobilienbranche sich nicht kriminalisieren lässt!

Update:

Das Stuttgarter Amtsgericht hat am 3.2.11 alle sechs Aktivistinnen und Aktivisten von ROBIN WOOD und den Parkschützern zu Geldstrafen von je 15 Tagessätzen – einkommensabhängig in einer Höhe zwischen 5 und 20 Euro – verurteilt. Die AktivistInnen werden Rechtsmittel gegen dieses Urteil einlegen. Mehr dazu hier.

December 09 2010

GANVA-Prozess wegen der CASTOR-Blockade

Gestern fand in Caen der Prozess gegen die Aktiven von GANVA statt, die am 5. November den CASTOR-Transport ins Wendland 3,5 Stunden stoppten. Ein Urteil gegen GANVA (Groupe d’Actions Non-Violentes Antinucléaires) gibt es noch nicht, das Urteil wird am 26. Januar verkündet.

Die Staatsanwaltschaft forderte 2 bis 3 Monate Haft auf Bewährung. Zusätzlich wurden verschiedene Geldbußen gefordert: zwischen 3000 Euro Geldbuße gegen 5 Aktivistinnen (die sich festgeketteten) und 2000 Euro gegen die Aktivistinnen, die nicht festgekettet waren. Vor dem Gericht wurden die Angeklagten von rund 150 Menschen auf einer Kundgebung unterstützt.

Die Verteidigung hatte verschiedene Zeugen geladen, darunter einen Verantwortlichen von Greenpeace Frankreich, der erläutert hat, dass die Greenpeace AktivisitInnen bei solchen Aktionen nicht von der Polizei verletzt wurden. Die Klage von den AktivistInnen gegen die Polizei, die sie zum Teil schwer verletzte, wurde von der Staatsanwaltschaft eingestellt. GANVA hat dagegen Beschwerde beim Ermittlungsrichter eingelegt (Richter, der unabhängig von der Staatsanwaltschaft die Vorwürfe prüfen soll).

Darüber hinaus gibt es auch zivilrechtliche Forderungen an GANVA: Der Atomkonzern Areva will einem symbolischen Euro wegen Imageschädigung (“Angstkampagne”) und die SNCF (Bahngesellschaft) will ca. 40 000 Euro Schadenersatz wegen 16 ausgefallener Züge.
Einen französischen Bericht über den Prozess gibt es hier…

Mit Informationen und Übersetzungen von Cecile Lecomte, posted by

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